Warnte auf dem Rathausplatz vor den Folgen des Arbeitsplatzabbaus in der Industrie für die Region: Mairedner Hilmar Feisthammel. FOTO: BOLTE„Ohne Arbeit stirbt die Stadt“

Hilmar Feisthammel, Vorsitzender des Betriebsrats im Siemens-Werk Frankenthal, hat als Hauptredner bei der Maifeier des DGB-Stadtverbandes auf dem Rathausplatz vor den Folgen eines weiteren Abbaus von Industriejobs gewarnt: „Ohne Arbeit stirbt die Stadt, ohne Arbeit stirbt die Region.“

Der drohende Verlust von bis zu 2000 Arbeitsplätzen bei verschiedenen Unternehmen im Rhein-Neckar- Raum fordere erneut die Solidarität in der Region, sagte Feisthammel. „Solidarität und ein guter Organisationsgrad sind die einzigen Mittel, solchen Plänen entgegenzuwirken“, zeigte sich der Betriebsratsvorsitzende mit Blick auf die am Siemens-Standort Frankenthal gemachten Erfahrungen überzeugt.

Feisthammel wertete den Umstand, dass Verlagerungspläne für das hiesige Werk abgewendet und Jobs für 450 Mitarbeiter inklusive Auszubildende gehalten werden konnten, als wichtigen Schritt. Weil trotzdem 80 Arbeitsplätze verloren gehen, tue er sich schwer, die Einigung mit dem Management nach außen als Erfolg zu verkaufen. „Trotzdem: Es ist etwas erreicht worden“, sagte der IG-Metall-Mann.

Feisthammel kritisierte, dass die digitalen Technologien vielfach die Arbeitswelt zulasten der Arbeitnehmer verändere. Resultat seien ein zunehmender Druck und der „allzeit bereite Standby-Mitarbeiter“. Ein weiterer Schwerpunkt in der Mairede des Gewerkschafters: der Mindestlohn. Befürchtungen, dass dessen Einführung Millionen Jobs kosten werde, seien nicht eingetreten. „8,50 Euro sind für teils harte Arbeit die unterste Grenze des Anstands“, sagte Hilmar Feisthammel.

Maifeier des DGB-Stadtverbandes – Hebich betont Wert der Solidarität

Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) griff in seinem Grußwort das Motto der Maifeier, „Zeit für mehr Solidarität“, auf. Seinem Empfinden nach sei das füreinander Einstehen derzeit so gefragt wie lange nicht mehr. Hebich nannte als Beispiele die Verlagerungspläne bei Siemens Frankenthal aber auch die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. „Wir haben die Pflicht, diese Menschen solidarisch, brüderlich und wohlwollend bei uns zu empfangen“, sagte der Oberbürgermeister. Er übte scharfe Kritik an denjenigen Unternehmen, die Mitarbeiter „als lästigen Kostenfaktor“ betrachteten.

Thema auf dem Rathausplatz war auch die am Samstag erreichte Einigung im Tarifstreit des Öffentlichen Dienstes. Der stellvertretende DGB Stadtverbandsvorsitzende Stefan Westerkamp (Verdi) machte aus seiner Enttäuschung über das zwischen den Tarifpartnern erreichte Verhandlungsergebnis keinen Hehl: „Ich bin Protestant und Pfälzer, kann also meinen Mund nicht halten“, sagte er. (örg)

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